Von 11. bis 13. Juni fand in der Schulturnhalle in Schiffweiler zum zweiten Mal nach 2008 ein Glíma-Seminar in Deutschland statt. Zu diesem Zweck wurde eigens ein Trainer aus Island eingeflogen, wo diese Form des Ringens seit Jahrhunderten Tradition ist. Eines der wichtigsten Konzepte beim Glíma ist der Respekt vor der Gesundheit des Gegners und das ehrenhafte Verhalten im Kampf.
Lárus Kjartansson war hauptberuflich für den isländischen Glíma-Verband (Glímusamband Íslands) als Trainer tätig, ist heute Lehrer für Isländisch und Geschichte und daneben auch Leiter seiner eigenen Glíma-Schule.
Lárus kam am Donnerstag bereits in Deutschland an und es wurden noch die letzten Details für das Seminar und das Turnier am Wochenende geklärt. Daneben blieb auch noch Zeit für einen Besuch in Trier und eine Führung zu den historischen Sehenswürdigkeiten der ältesten Stadt Deutschlands, wo Christian Bartel (Meldric), der Veranstalter des Wochenendes, lebt.
Am Freitag Abend begann das Seminar mit der ersten Trainingseinheit, in der vor allem die Neulinge mit den Grundlagen vertraut gemacht wurden. In drei Stunden teilweise recht schweißtreibenden Trainings gelangen dann auch bald die ersten Techniken. Durch die verhältnismäßig geringe Teilnehmerzahl konnte sich Lárus Kjartansson intensiv um jeden Teilnehmer bemühen und auf Probleme und Fragen ausführlich eingehen. Nahezu alle Teilnehmer hatten bereits Erfahrung in anderen Kampfkünsten und daher konnten bereits Freitag Abend zum Abschluß des Trainings die ersten Freikämpfe unter Aufsicht der erfahreneren Kämpfer und natürlich des Trainers stattfinden.
Am Samstag Morgen wurde um 9:00 Uhr das Training begonnen. Der Schwerpunkte lag hierbei naturgemäß auf einem breiten Überblick sowohl über die historischen Hintergründe von Glíma als auch über reichhaltige Informationen über die Traditionen der modernen Form, die seit 1906 in Island als Sport betrieben wird. Neben dem obligatorischen Aufwärmtraining gab es eine rudimentäre Fallschule, die für eine verletzungsfreie Ausübung dieser Kampfkunst unerläßlich ist. Danach wurden dann die Tricks wiederholt, die
man Freitags bereits erlernt hatte. Am Samstag waren noch weitere Teilnehmer hinzugekommen, die bei dieser Wiederholung auch die ersten Tricks erlernen konnten. Im Anschluß ging es dann mit etwas weiter fortgeschrittenen Techniken weiter und zwischendurch gab es immer wieder Erklärungen und Tipps zum Einsatz der Techniken bei einem Wettkampf. Nach 7 Stunden Training am Samstag wurde das Seminar dann mit der Demonstration von noch weiter fortgeschrittenen Techniken, den sogenannten "High-Tricks" fortgesetzt. Zur Ausführung dieser Techniken bedarf es allerdings intensiverem Training und daher wurden diese nur durch Lárus demonstriert.
Abschließend wurden noch zwei weitere Formen von Glíma gezeigt und auch ausprobiert. Das sogenannte "Hryggspenna" ist eine Form, bei der kein Gürtel zum Einsatz kommt und bei der über den Rücken des Gegners gegriffen wird. Das "Lausatök" ist eine sehr freie Variante, die sich aber auch nach den selben Prinzipien richtet, die im Glíma allgemeingültig sind.
So erlangten die Teilnehmer einen umfassenden Einblick in diese traditionelle Kampfkunstform.
Sonntag fand ein Vergleichskampf der Teilnehmer des Seminars statt, bei dem Lárus als Schiedsrichter fungierte. In einer sportlichen Atmosphäre mit einer Menge Einsatz und sehr spannenden Kämpfen wurden die Glíma-Könige von Deutschland ermittelt. Die Teilnehmer traten in drei Disziplinen an: Glíma, Hryggspenna und Lausatök.
Da dieser Vergleichskampf das einzige offzielle Turnier unter der Schirmherrschaft der IGA (Internation Glíma Association) in Deutschland ist, sind die Gewinner die momentan amtierenden Glíma-Könige (das ist der offizieller Titel des Champions in dieser Sportart) in Deutschland.
Michael Hartmann aus Schweich hat sich als besonderes Talent hervorgetan und das bestätigte sich auch im Ergbnis. Alexander Bollig aus Flußbach musste sich in allen drei Disziplinen aber nur sehr knapp geschlagen geben und erlangte jeweils den vierten Platz.
Aber auch die anderen Teilnehmer haben an diesem Wochenende gewonnen, denn sie haben einen Einblick in Glíma erhalten und erste Kampferfahrung gesammelt. Bei den nächsten Turnieren kann das Ergebnis sich schon merklich verschoben haben, denn wie unser isländischer Gast mehrfach anmerkte, fand er eine Menge Potential bei allen Teilnehmern.
Ein besonderer Dank gilt unserem Gastgeber in Schiffweiler, Herrn Michael Bansky (ebenfalls Gründungsmitglied der IGA), der für das Wohl der Teilnehmer sorgte der ebenfalls am Seminar und dem Turnier teilnahm.
Das Wochenende kann insgesamt als Erfolg verbucht werden, auch wenn wir beim nächsten Mal gerne noch mehr Teilnehmer begrüßen würden.